Kreditlaufzeit verlängern — was es wirklich kostet
Von sechs auf zwölf Jahre fällt die Rate um 28 Prozent, die Zinsen steigen um 123 Prozent. Die Tabelle, die Formel dahinter — und wann die längere Laufzeit trotzdem richtig ist.
Die Laufzeit ist der einzige Regler, an dem du selbst drehen kannst. Den Zinssatz bestimmt der Kreditgeber nach deiner Bonität, den Betrag bestimmen deine Schulden. Die Laufzeit wählst du — und sie ist der Grund, warum zwei Menschen mit demselben Kredit völlig verschiedene Summen zurückzahlen.
Die Tabelle
10.000 € Nettodarlehen, Sollzinssatz anfänglich 15,62 % p. a.:
| Laufzeit | Monatsrate | Gesamtbetrag | davon Zinsen | Zinsen in % der Summe |
|---|---|---|---|---|
| 72 Monate · 6 Jahre | 214,83 € | 15.468 € | 5.468 € | 55 % |
| 84 Monate · 7 Jahre | 196,46 € | 16.503 € | 6.503 € | 65 % |
| 96 Monate · 8 Jahre | 183,06 € | 17.574 € | 7.574 € | 76 % |
| 108 Monate · 9 Jahre | 172,96 € | 18.680 € | 8.680 € | 87 % |
| 120 Monate · 10 Jahre | 165,15 € | 19.818 € | 9.818 € | 98 % |
| 132 Monate · 11 Jahre | 159,01 € | 20.989 € | 10.989 € | 110 % |
| 144 Monate · 12 Jahre | 154,10 € | 22.190 € | 12.190 € | 122 % |
Zwei Zahlen daraus, nebeneinander gelegt:
- Die Rate fällt von 214,83 € auf 154,10 € — minus 28 %
- Die Zinsen steigen von 5.468 € auf 12.190 € — plus 123 %
Ab etwa zehn Jahren zahlst du mehr Zinsen, als du geliehen hast.
Warum die Kurve so verläuft
Die Monatsrate eines Ratenkredits folgt der Annuitätenformel:
Rate = K · i / (1 − (1 + i)^−n)
K ist der Kreditbetrag, i der monatliche Zinssatz (Jahreszins geteilt durch
zwölf), n die Zahl der Monate. Der entscheidende Teil ist der Nenner: mit
wachsendem n nähert sich (1 + i)^−n der Null, der Nenner also der Eins. Die
Rate nähert sich damit K · i — bei 10.000 € und 15,62 % sind das rund 130 €
pro Monat.
Das ist die Zinsuntergrenze: Wie lange du auch streckst, unter 130 € kommst du nicht, weil das die reinen Zinsen auf die Anfangsschuld sind. Bei 144 Monaten bist du mit 154,10 € schon nahe dran. Die letzten Laufzeitstufen bringen also kaum noch Entlastung bei der Rate, kosten aber weiter volle Zinsen.
Genau deshalb ist der Sprung von 6 auf 8 Jahre etwas anderes als der von 10 auf 12: Der erste senkt die Rate um 32 €, der zweite nur noch um 11 € — bei fast identischem Zinsaufschlag.
Der Effektivzins ändert sich dabei nicht
Ein verbreitetes Missverständnis: Man sieht die Gesamtkosten steigen und schließt, der Kredit sei „teurer geworden”. Der effektive Jahreszins bleibt über alle Laufzeiten gleich — bei 15,62 % nominal sind es 16,79 % effektiv, weil monatlich verzinst wird:
(1 + 0,1562 / 12)^12 − 1 = 16,7882 %
Der Preis pro Jahr ist konstant. Du kaufst nur mehr Jahre. Der Effektivzins taugt deshalb zum Vergleich zwischen Angeboten, aber nicht zur Beurteilung, ob deine Laufzeit vernünftig ist. Dafür brauchst du den Gesamtbetrag.
Wann die längere Laufzeit trotzdem richtig ist
Es gibt drei Situationen, in denen bewusst gestreckt wird — und das ist keine Dummheit, sondern eine Abwägung:
Wenn die kurze Rate dich reißt. Eine Rate, die 90 % deines freien Budgets frisst, führt zur ersten Mahnung, sobald die Waschmaschine kaputtgeht. Eine Mahnung kostet Gebühren, ein Zahlungsausfall kostet den SCHUFA-Eintrag. Gegen diese Kosten sind ein paar Tausend Euro Zinsen über zehn Jahre womöglich das kleinere Übel.
Wenn du planbar sondertilgen kannst. Du darfst jederzeit ganz oder teilweise zurückzahlen (§ 500 Abs. 2 BGB). Eine lange Laufzeit mit regelmäßiger Sondertilgung verhält sich wie eine kurze — nur mit einem Sicherheitsnetz für schlechte Monate. Achte auf die Vorfälligkeitsentschädigung: höchstens 1 % des zurückgezahlten Betrags, bei Restlaufzeit unter zwölf Monaten höchstens 0,5 % (§ 502 BGB).
Wenn ein absehbares Einkommensplus kommt. Ende der Elternzeit, Ende einer Ausbildung, auslaufender Unterhalt. Lange Laufzeit wählen, später sondertilgen.
Was nicht dazugehört: „Die Rate sieht dann besser aus.” Das ist kein Grund, das ist die Rate.
Die Rechnung, die du machen solltest
Nicht „welche Rate kann ich mir leisten”, sondern:
- Welche Rate kann ich sicher tragen, auch in einem schlechten Monat?
- Welche Laufzeit ergibt sich daraus — die kürzeste, die diese Rate erlaubt?
- Was kostet mich diese Laufzeit insgesamt?
- Und was hätte die nächstkürzere gekostet?
Schritt 4 lassen die meisten weg. Er ist der einzige, der den Preis der Bequemlichkeit sichtbar macht.
Der Rechner auf der Startseite zeigt beide Zahlen gleichzeitig: die Ersparnis pro Monat und die Veränderung der Gesamtkosten. Nicht, weil das gut aussieht, sondern weil eine Zahl ohne die andere in die Irre führt.